Kinder aus Dogo in Mali fotografieren ihre Welt
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Willkommen
Verlässt man Bamako nach Süden auf der Schnellstraße Richtung Bougouni und biegt nach ungefähr neunzig Kilometern öder Savannenlandschaft links auf die Sandpiste ab und fährt nochmal neunzig staubige Kilometer weiter, dann ist man in Dogo. Das dauert mit dem Auto so um die vier bis sechs Stunden, je nachdem. Niemand besitzt dort ein Auto in Dogo.
 
Während der Regenzeit leben rund eintausend Menschen in Dogo, Großfamilien sesshafter Bauer. In der Trockenzeit halten sich weit weniger Menschen im Dorf auf, viele befinden sich auf Wanderarbeit oder/und in den Städten. Doch seit einigen Monaten herrscht Goldgräberstimmung in Dogo…
 
Foto: Moussa Ballo
Radiodogo
Marc Fomba ist einer von vier Mitarbeitern der örtlichen Radiostation. Musik, Berichte, religiöse Beiträge und Gesänge werden von Kassette abgespielt. Auch der Griot findet hier ein Sprachrohr.
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mamata Niambélé
Waschen
Jeder Samstag ist für die siebzehn jährige Korotoumou Waschtag. Unter der Woche besucht sie die siebte Klasse der dorfeigenen Oberschule. Unterrichtet wird auf französisch – außer Englisch und Bambara. Korotoumou möchte gern das Abitur machen.
 
Foto: Korotoumou Coulibaly
Familie
Mit der Geburt eines Kindes steigt der soziale Status einer Frau. Kinderlosigkeit oder gar Unfruchtbarkeit gelten als Strafe Allahs und der Götter, als schwerer Schicksalsschlag.
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Djeneba Fomba
Motorrad
250.000 - 300.000 CFA (400 - 450 Euro) kostet ein Motorrad. Das kann sich nur leisten, wer Baumwolle anbaut oder Gold in den nahen Gruben wäscht. Baumwolle wird seit circa zehn Jahren in Dogo angebaut, die Goldgruben existieren ungefähr seit sechs Monaten.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mahamane Traoré
Hof
Der Hof. Hier werden Hausaufgaben gemacht, Tee getrunken, Besuch empfangen, palavert, gekocht und gegessen. Der Hof ist der Lebensmittelpunkt der Familie.
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mah N’Gnifirig Konaté
Jungs
In ihrer Freizeit treffen sich die Jungs, spielen Fußball, albern herum oder schauen fern. Am liebsten Jouvence, eine Musiksendung. Total angesagt sind die HipHopper Tata Pound.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Youssof Togola
Fahrrad
Youssouf Coulibaly hat sein Fahrrad in Bamako gekauft. Er hat 45.000 CFA (circa 70 Euro) dafür ausgegeben, was sehr viel Geld ist und er hat lange dafür arbeiten und sparen müssen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Diakaridia Fomba
Rock
Fatoumata Diallo, 15 Jahre, möchte später gern in Bamako studieren und Ärztin werden. Ihr Lieblingsfach ist Französisch. Ihr Lieblingsgetränk frische Milch.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Bakary Traoré
Rind
Je mehr Rinder eine Familie besitzt desto höher ihr Ansehen. Sie werden selten geschlachtet. Ihr Blut wird nur zu besonderen Anlässen den Göttern, Ahnen und Allah geopfert.
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Djeneba Fomba
Hirseverarbeitung
Stunde um Stunde stampft Mariama Hirse. Sind die Spelzen von den Körnern entfernt, werden sie ausgesiebt, auf einer Reibe zu Mehl gerieben und mit Wasser zu To gekocht.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Modibo Diawara
Sieben
In ein paar Jahren wird Aminata heiraten und in die Familie ihres Mannes ziehen. Dort wird sie sich die Anerkennung der Schwiegermutter erarbeiten müssen. Der Koran erlaubt Männern, bis zu vier Ehefrauen zu haben.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Birama Donogo
Stier
Mohamed möchte eine Ausbildung beim Tischler machen. Das wird fünf Jahre dauern. Er wird in dieser Zeit kein Gehalt erhalten.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Bakary Traoré
Lehrer
Marc Fomba ist einer von vier Mitarbeitern der örtlichen Radiostation. Musik, Berichte, religiöse Beiträge und Der Englischlehrer stammt aus dem Norden Malis. In Dogo gibt es 14 Lehrer und 15 Klassenräume für 625 Schüler. Die nächste Schule ist 25 Kilometer entfernt.
 
 
 
 
 
Foto: Moussa Ballo
Schaeker
Viele Ehen werden von den Eltern mit Blick auf das Familienwohl arrangiert und gelten als Verbindung zweier Familien – nicht zweier Individuen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mahamane Traoré
Schulpause
Werden die Jungs in Dogo bleiben? Werden sie in die Stadt oder in eins der reicheren Nachbarländer gehen und dort ihr Glück suchen? – Oder reicht es etwa doch zum Fußballstar in Europa?
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mohamed L. Touré
Markt
Montag. Markttag. Schulfrei. Das linke, graue Huhn bringt 1.500 CFA, das rechte 1.400 CFA (circa 2,20 und 2,30 Euro).
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Youssouf Coulibaly
Freundinnen
Das schöne rote Kleid war ein Geschenk der Eltern, Aminata besitzt insgesamt zwei. Ihr Lieblingsfach in der Schule ist Englisch.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Kalifa Nimaga
Flechten
Die Mädchen treffen sich jede Woche, um sich gegenseitig neue Zöpfe zu flechten. Für mehr Glanz und Geschmeidigkeit massieren sie gegenseitig beurre de karité in die Haare. Die beliebtesten Frisuren haben Namen wie Die drei Straßen.
 
 
Foto: Abaïmouna Diakité
Generator
Das Kabel an der Hauswand hinter Isabel führt vom Dieselgenerator um die Ecke zum Fernseher. Es gibt zehn Fernseher in Dogo. Strom und Telefon gibt es nicht.
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Djélika Famba
Wasserpumpen
Sauberes, frisches Wasser tief aus der Erde. Mariétou geht immer zum Brunnen bei der Schule. Der Weg zu den anderen beiden Brunnen wäre eigentlich kürzer, aber hier trifft sie oft ihre Freundin Korotoumou. Heute mittag hat Korotoumou wohl etwas anderes zu tun …
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Sékou Diawara
Hausaufgaben
Mohammed Ballo lernt fleißig, damit er gute Noten bekommt und später in Bamako Medizin studieren kann. Das Lieblingsfach des Zehnjährigen ist Geographie. Er besitzt insgesamt vier Schreibhefte und drei Stifte.
 
 
 
 
 
 
Foto: Kalifa Nimaga
Schöne Frauen
Seit ihrer Hochzeit lebt Solimata im Dorf ihres Mannes. Es hat einige Zeit gedauert, bis sie sich dort eingelebt hat. Zum Glück kommt sie mit seiner Schwester und der Cousine gut aus und ist zufrieden mit ihrer kleinen Welt.
 
 
 
Foto: Samba Diarra
Grossmama
Die Alte kennt noch die Geschichten der grossen Familien, der Stämme, Völker, Königreiche, die Gesänge, Fabeln und Anekdoten der vergangenen Zeit. Früher war eben alles besser …
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Amadou Diakité
Mädchen
Familien mit wenig Geld schicken zuallererst ihre Söhne in die Schule, wenn dann noch Geld übrig bleibt – erst dann wird das Schulgeld für die Mädchen bezahlt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Adama Magayko
Brennholz
Die Frauen rackern von früh bis spät. Madame Fomba trägt neben ihren familiären Pflichten noch einen großen Teil zum Familieneinkommen bei: In Ihrem Garten baut sie Zwiebeln und Tomaten zum Verkauf auf dem Markt an.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Youssouf Coulibaly
Mutter
Babou hat es gut. Seine Mutter wird ihn zwei Jahre stillen, zur Untersuchung geht sie regelmäßig mit ihm ins Gesundheitszentrum und lässt ihn dort gegen Kinderkrankheiten impfen. Dort wurde er auch geboren.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mahamane Traoré
Mmediawara
Madame Donogo ist die zweite Frau des Schuldirektors. Beide Frauen und die Kinder leben unter einem Dach. Bei der Zweitehe handelt es sich oft um eine Liebesheirat – zumindest aus der Sicht des Mannes.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mobido Diawara
Cinesischertee
Immer wieder zwischendurch wird chinesischer grüner Tee zubereitet. Drei Aufgüsse werden gemacht und in kleinen speziellen Gläsern mit viel Zucker und Minze genossen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mahamane Traoré
Alter
Was ein Alter im Sitzen sieht, sieht ein Junger nicht im Stehen! Die meisten Angelegenheiten des Dorfes und der Familien werden von den Dorfältesten auspalavert. Neben dem gewählten gibt es auch den traditionellen Dorfchef. Sein Amt wird vererbt.
 
 
Foto: Abaïmouna Diakité
Schneider
Der Schneider hat gut zu tun. Aus gefärbten und bedruckten Stoffen näht er Tücher, Kleider, Boubous, Hemden und Hosen. Und flickt die Jeans und T-Shirts der Jungen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Mahamane Traoré
Schlachter
Einer der drei Schlachter. Für 200 CFA (circa 30 Eurocent) kann man ein Stück Fleisch – gegrillt oder roh – auf dem Montagsmarkt kaufen.
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Youssof Togola
Jäger
Gejagt werden nur noch Kleintiere, meistens Vögel. In dem Gebiet um Dogo gibt es aufgrund von Abholzung, Rodung, Dürre, Heuschreckenplagen und intensiver Beweidung nahezu kein Wild mehr. Die Böden sind müde.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Youssouf Coulibaly
Rollstuhl
Auf Initiative von Monsieur Frané wurden einige Rollstühle nach Dogo gebracht. Seitdem kann sich Babou ohne Hilfe bewegen. Er besucht jetzt regelmäßig Freunde im Nachbardorf.
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Sékou Diawara
Radler
Die Männer auf den Weg in die nah gelegenen Goldgruben. Sie nehmen Kanister voll Wasser zum Waschen des Goldes mit. So die Götter und Allah wollen, werden sie heute als reiche Männer ins Dorf zurückkehren und ein neues Haus bauen.
 
 
Foto: Bakauy Traoré